Optik
Transparenz, Glanz und Farbe
Neben Form und Gestalt sind Farbe, Glanz und Transparenz weitere wichtige Merkmale, ein Mineral und seine Qualitäten zu bestimmen. Diese drei Eigenschaften beschreiben den Einfluß eines Minerals auf das Licht: Die Transparenz zeigt dabei die Lichtdurchlässigkeit eines Minerals, der Glanz die Fähigkeit, Licht zu reflektieren, und die Farbe, inwiefern ein Mineral das Licht verändert, indem es bestimmte Lichtspektren (lat. spectrum = Erscheinung) absorbiert (aufnimmt) und andere reflektiert (zurückstrahlt).

Transparenz
Die Lichtdurchlässigkeit eines Minerals wird gewöhnlich in fünf Durchlässigkeitsgrade unterschieden: Durchsichtig, halbdurchsichtig, durchscheinend, undurchsichtig und opak. Beurteilt wird die Transparenz an ca. 1 cm dicken Platten oder Kristallen; lediglich zur Unterscheidung von undurchsichtig und opak benötigt man sehr dünne Plättchen oder Dünnschliffe.

Durchsichtige Mineralien lassen Licht fast ungehindert hindurchfallen, so daß man auch durch dickere Schichten eine darunterliegende Schrift gut lesen kann.

Halbdurchsichtige Mineralien streuen oder absorbieren das durchfallende Licht z.T., so daß eine darunterliegende Schrift nur unklar zu erkennen ist.

Durchscheinende Mineralien lassen Licht noch so weit hindurchfallen, daß man hell und dunkel unterscheiden kann, wenn man das Mineral vor einer Lichtquelle hin und her bewegt.

Undurchsichtige Mineralien lassen kein Licht (durchfallen, lediglich Dünnschliff, feines Plättchen oder Pulver sind unter dem Mikroskop durchscheinend.

Opake Mineralien lassen überhaupt kein Licht durch, auch nicht als Dünnschliff, feines Plättchen oder Pulver.

Da durchsichtig und halbdurchsichtig nur schwer voneinander abzugrenzen und undurchsichtig und opak mit dem bloßen Auge gar nicht zu unterscheiden ist, verwenden manche Mineralienbücher nur eine Unterscheidung in drei Durchlässigkeitsgrade: durchsichtig, durchscheinend und opak. Zu beachten ist dabei, daß eine rauhe Oberfläche bei einem körnigen Aggregat oder einer verwitterten Probe die Transparenz deutlich vermindern kann. Ein durchsichtiges Mineral kann so durchscheinend wirken. Auch können mitunter verschiedene Varietäten oder verschiedene Qualitäten eines Minerals verschiedene Transparenzstufen aufweisen. Die Transparenz ist daher nur ein zweitrangiges Hilfsmittel bei der Bestimmung von Mineralien.

Glanz
Ähnliches gilt für den Glanz. Der Glanz ist die Fähigkeit eines Minerals, Licht zu reflektieren. Diese Lichtreflektion geschieht an der Oberfläche und ist daher von Farbe und Transparenz weitgehend unabhängig. Jedes Mineral besitzt einen spezifischen Lichtbrechungsindex, der besagt, wie sehr ein einfallender Lichtstrahl gebrochen wird. Sie kennen dieses Phänomen sicherlich von Wasser oder beim Diamant. Je größer die Lichtbrechung eines Minerals ist, d.h. je stärker der einfallende Lichtstrahl abgelenkt wird, desto mehr Licht wird auch reflektiert. Daher nimmt der Glanz mit steigendem Lichtbrechungsindex zu, während das Absorptionsvermögen des Minerals und die Rauheit der Oberfläche ihn vermindern. Der Glanz eines Minerals wird nach alltäglichen Stoffen benannt, an die er bildhaft erinnert. Er wird in der Regel in zehn Kategorien eingeteilt:

Metallglanz ist der Hochglanz polierter Chromleisten oder Metalle und ist typisch für undurchsichtige Mineralien, wie z.B. die bereits erwähnten spanischen Pyritwürfel, oder durchsichtige Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von > 2,6, wie Cuprit oder Zinnober (als Kristall).

Diamantglanz erinnert an geschaffene Brillanten oder Bleikristallglas. Er entsteht durch totale Lichtreflexion bei durchsichtigen oder durchscheinenden Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von > 1,9, wie z.B. beim namengebenden Diamant.

Glasglanz kann man an jedem (geputzten) Fensterglas beobachten. Er ist charakteristisch für durchsichtige und durchscheinende Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von 1,3 bis 1,9, wie z.B. viele Vertreter der Quarz-Gruppe.

Pechglanz erinnert an die frischen Bruchstellen von Teerbrocken. Er ist etwas stumpfer als Glasglanz, was von einer feinkörnigen oder feinporigen Oberfläche herrühren kann. Typische Beispiele sind Kassiterit oder Gagat.

Fettglanz sieht aus wie der schimmernde Glanz fettigen Pergamentpapiers, was oft von einer unebenen Oberfläche des Minerals herrührt. Typische Beispiele sind Borax oder Scheelit.

Wachsglanz erinnert an Kerzenwachs. Der Eindruck ist stark fettig, doch fehlt das pergamentartige Schimmern. Die Oberfläche des Minerals ist hier oft feinporig. Typisches Beispiel ist Türkis.

Harzglanz erinnert an Baumharz. Der Eindruck ist hier noch etwas fettig, doch deutlich trockener. Die Oberfläche ist meist uneben und rauh. Beispiele sind Wulfenit und Titanit.

Perlmuttglanz erinnert an den weiblichen Schimmer mit farbigem Lichtschein, den die Innenseite mancher Muschelschalen besitzt. Denken Sie nur an die bekannten Perlmuttknöpfe. Perlmuttglanz tritt oft bei blättrigen Mineralaggregaten wie z.B. Glimmer auf.

Seidenglanz erinnert an ebensolche Textilien. Er ist typisch für faserige Mineralien, wie z.B. Tiger- oder Falkenauge.

Mattigkeit ist die unterste Glanzstufe. Hier glänzt nichts mehr. "Matt" ist typisch für poröse oder erdige Mineralaggregate, wie z.B. Lapislazuli oder Pyrolusit.

Der Glanz eines Minerals sollte nur an einem unverwitterten und unbearbeiteten Stück beurteilt werden. Verwitterung oder Beschädigung der Oberfläche kann den Glanz herabsetzen, während eine gute Politur den Glanz deutlich erhöhen kann. So sagt z.B. bei Trommelsteinen der Glanz mehr über die Qualität der Verarbeitung als über die Natur des Minerals aus.
 
 

Farbe
Farben sind Teile des Lichts. Sie zeigen eine charakteristische Eigenschaft eines Minerals, nämlich seine Fähigkeit, Licht zu absorbieren oder zu reflektieren. Das weiße Licht, wie wir es z.B. als Sonnenlicht kennen, enthält alle Farben. Es ist eine Mischung aller Farbstrahlen. Dies verdeutlicht sehr schön der Regenbogen, der entsteht, wenn Sonnenlicht an feinen Wassertröpfchen in der Luft gebrochen und in seine sog. "Spektralfarben" zerlegt wird. Dann wird aus dem neutralen weißen Licht plötzlich ein wunderschöner Farbverlauf, der bei näherem Hinsehen von oben nach unten in den Farben Violett, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot erstrahlt. Diese sechs Farben ergeben den elementaren Farbkreis, der vielen Mischungen und Nuancen zugrunde liegt. Ergänzt mit Schwarz (keine Farbe, völlige Absorption von Licht) und Weiß (keine Farbe, totale Reflektion von Licht) ergeben sich acht Grundqualitäten zur Beschreibung der Mineralien. Genaueres dazu finden Sie in  "Die Steinheilkunde" (Neue Erde Verlag, Saarbrücken; 1995).
Damit ein Mineral nun farbig erscheinen kann, muß es also in der Lage sein, Teile des Lichts zu absorbieren und andere Teile zu reflektieren. Was wir dabei dann als Mineralfarbe sehen, ist der reflektierte Teil. Eigentlich logisch, denn der absorbierte Teil ist ja "weg". Im Mineral selbst kann die Fähigkeit, Farben "entstehen" zu lassen, nun drei verschiedene Ursachen haben, nach welchen die klassische Mineralogie die Mineralien in vier Gruppen einteilt: In farblose, eigenfarbige, fremdfarbige und scheinbar gefärbte Mineralien.

Farblose, achromatische Mineralien (griech. a = ohne, chroma = Farbe) verändern durchfallende oder reflektierte Lichtstrahlen nicht, d.h. sie absorbieren kein Licht. Dadurch zeigen sie keinerlei Farben. Beispiele für farblose Mineralien sind Achroit (farbloser Turmalin), Bergkristall, Diamant, Goshenit (farbloser Beryll) und klarer Topas.

Eigenfarbige, idiochromatische Mineralien (griech. idios = eigen, chroma = Farbe) bestehen aus wesentlichen Anteilen bestimmter farbgebender Mineralstoffe, sog. "Farbträger" oder "Chromophore" (griech. chroma = Farbe, phoros = tragend). Dazu zählen Chrom, Eisen, Kupfer, Kobalt, Mangan und Nickel. Da diese Farbstoffe in großen Mengen in eigenfarbigen Mineralien enthalten sind, zeigt selbst das Pulver dieser Mineralien noch seine Farbe. Das wird insbesondere bei der Bestimmung von Mineralien und Heilsteinen als sog. "Strichfarbe"  von großer Bedeutung sein. Beispiele für eigenfarbige Mineralien sind Azurit, Hämatit, Malachit und Rhodonit.

Fremdfarbige, allochromatische Mineralien (griech. allos = anders, fremd, chroma = Farbe) enthalten Einschlüsse anderer Mineralien oder nur Spuren von farbtragenden Stoffen, die oft in Millionstel-Verdünnungen noch ausreichen, um farbgebend zu sein. Manchmal genügen sogar nur wenige freie Elektronen, die sich z.B. durch die Einwirkung radioaktiver Strahlung an falschen Plätzen im Kristallgitter befinden, um sog. "Farbzentren" entstehen zu lassen, die das Mineral färben. Bei diesen Mineralien zeigt feines Pulver keine Farbe mehr, sie haben daher auch keine Strichfarbe. Durch Mineraleinschlüsse gefärbt sind z.B. Aventurin (durch Fuchsit), Jaspis (Eisenoxide) oder Prasem (Aktinolith). Durch färbende Spurenelemente sind z.B. Amethyst (Eisen), Rosenquarz (Mangan), Rubin und Smaragd (beide Chrom) gefärbt. Freie Elektronen im Kristallgitter verursachen die Färbung bei Rauchquarz oder Zirkon.
Zwei Besonderheiten fremdfarbiger, allochromatischer Mineralien sind der Pleochroismus und der Farbwechsel. Durch eine besondere Einlagerung der färbenden Spurenelemente in das Kristallgitter kann es vorkommen, daß selbst kleine Körnchen des transparenten Minerals in verschiedene Raumrichtungen verschiedene Farben zeigen. Treten dabei zwei Farben auf, wie z.B. beim Cordierit (Blau/Gelb), spricht man vom Dichroismus (Zweifarbigkeit), bei drei oder mehr Farben vom Pleochroismus (Mehrfarbigkeit). Dies hat nichts mit Mineralien zu tun, die deutlich voneinander abgesetzte Farbzonen zeigen, wie z.B. der Ametrin. Beim Pleochroismus wird von jedem Bereich des Kristallgitters Licht in verschiedener Färbung in verschiedene Richtungen reflektiert (siehe auch "optische Untersuchungsmethoden").
Ein sogenannter Farbwechsel liegt vor, wenn ein Mineral im Sonnenlicht und Kunstlicht deutlich verschiedene Farben zeigt. Dies hängt mit den verschiedenen Spektren der Lichtquellen und dem Absorptionsspektrum des färbenden Spurenelements zusammen. Am häufigsten tritt dieser Effekt im Zusammenhang mit dem Spurenelement Chrom auf, welches ja - wie der Name sagt (griech. chroma = Farbe) - eine besondere Beziehung zu Licht und Farbe hat. Bekanntestes Beispiel ist der Alexandrit, der im Sonnenlicht grün, im Kunstlicht rot bis violett erscheint.

Scheinbar gefärbte, pseudochromatische Mineralien (griech. pseudein = täuschen, chroma = Farbe) erhalten ihre Farbe durch Brechung, Reflexion, Beugung, Streuung oder Überlagerung (Interferenz) der Lichtstrahlen an strukturellen Eigenheiten des Minerals. Diese Phänomene besitzen natürlich spezielle Bezeichnungen:

Adularisieren
Durch Lichtstreuung und Interferenz an der Schichtstruktur des Minerals entsteht ein wogender, flächenhaft bläulicher Lichtschimmer, der beim Bewegen des Steins Tiber die Oberfläche gleitet. Der Name stammt vom Mondstein, einer Adular-Varietät.

Asterismus
Durch Einschlüsse netzartig geordneter Kristallfasern (meistens Rutil) im Mineral entsteht beim Cabochon- Schliff eine sternförmige Lichterscheinung (lat. astrum = Stern). Diese zeigt sich am deutlichsten, wenn der Cabochon-Schliff auf die Hauptachse des Kristalls orientiert wird. Asterismus tritt häufig auf bei Diopsid, Rosenquarz, Rubin und Saphir.

Aventurisieren
Durch Lichtreflexion an eingelagerten Mineralblättchen entstehen glänzende Reflexe im Mineral. Der Name hierfür stammt vom Aventurin, in welchem diese Reflexe an eingelagerten Glimmer- und Hämatitschüppchen entstehen.

Chatoyieren (Katzenaugeneffekt)
Durch feine Kristallfasern des Minerals entsteht ein wogender Lichtreflex, der im Cabochon-Schliff an das Auge einer Katze erinnert (franz. chat = Katze, (ril = Auge), besonders wenn die Fasern parallel zur Grundfläche des Cabochon liegen (z.B. Chrysoberyll oder Sillimanit).

Irisieren Hier entstehen Regenbogenfarben an Rissen und Spaltflächen (z.B. im Bergkristall oder Fluorit) oder sog. "Anlauffarben" durch Oxidation an der Oberfläche des Minerals (z.B. Bornit oder Chalkopyrit).

Labradorisieren
Durch Interferenzerscheinungen an einer feinen Lamellen-Struktur entsteht ein buntes Farbenspiel in metallisch glänzenden Tönen. Namengebend war hier der Labradorit.

Opalisieren
Da Opale aus winzigen Siliciumdioxid-Kügelchen, Kieselsauregel und Wasser bestehen, wird einfallendes Licht an dieser sog. "Kugelpackung" gebrochen. Durch Interferenzerscheinungen entsteht so ein buntes, nach dem Opal benanntes Farbenspiel.

Tyndall-Effekt
Der Tyndall-Effekt ist nach seinem Entdecker, dem irischen Physiker John Tyndall benannt. Hier wird Licht an sehr feinen Fasern oder Teilchen in seine Spektralfarben zerlegt, wobei der langweilige Rotanteil durch die Fasern absorbiert, der kurzwellige Blauanteil dagegen reflektiert wird. Durch diesen Effekt erhalten z.B. Blauquarz und Chalcedon ihre bläuliche Farbe. Auch pseudochromatische Mineralien zeigen natürlich als Pulver keine Farbe und keinen der o.g. Effekte. Sie besitzen daher auch keine Strichfarbe.

Augenscheinliche Qualitäten
Bei der Beschreibung des Erscheinungsbildes der Heilsteine in der Natur wurden bewußt nur jene Phänomene von Form und Farbe ausführlich geschildert, die mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden kennen. Mit dem Mikroskop oder weiteren optischen und elektronischen Hilfsmitteln lassen sich viele Eigenschaften noch präziser bestimmen...
Doch wer hat schon ein mineralogisch-gemmologisches Labor im Keller? Eigentlich nur jemand, der dann wahrscheinlich die notwendige Fachkenntnis und Fachliteratur besitzt. Hier werden also fachmännische Bestimmungsmethoden nur auf der Seite "mineralogisch-gemmologische Untersuchungen" kurz erwähnt, um zu zeigen, wie ein Mineral einwandfrei identifiziert werden kann. Für die Heilkunde sind von den Merkmalen des Erscheinungsbildes der Heilsteine vor allem die Kristallsysteme und die Farbe von großem Interesse. Beide Eigenschaften eines Minerals besitzen, wie man heute weiß, gemeinsam mit der Art und Weise seiner Entstehung eine direkte Auswirkung auf seine Heilkraft. Zu dieser Trias (Entstehung, Kristallsystem, Farbe) gesellt sich nun noch ein weiteres, sehr wichtiges Kapitel: Der Stoff, aus dem die Steine sind, die Mineralstoffe oder schlicht die chemische Zusammensetzung der Heilsteine.

 
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