Transparenz
Die Lichtdurchlässigkeit eines Minerals wird gewöhnlich in
fünf Durchlässigkeitsgrade unterschieden: Durchsichtig, halbdurchsichtig,
durchscheinend, undurchsichtig und opak. Beurteilt wird die Transparenz
an ca. 1 cm dicken Platten oder Kristallen; lediglich zur Unterscheidung
von undurchsichtig und opak benötigt man sehr dünne Plättchen
oder Dünnschliffe.
Durchsichtige Mineralien lassen Licht fast ungehindert hindurchfallen, so daß man auch durch dickere Schichten eine darunterliegende Schrift gut lesen kann.
Halbdurchsichtige Mineralien streuen oder absorbieren das durchfallende Licht z.T., so daß eine darunterliegende Schrift nur unklar zu erkennen ist.
Durchscheinende Mineralien lassen Licht noch so weit hindurchfallen, daß man hell und dunkel unterscheiden kann, wenn man das Mineral vor einer Lichtquelle hin und her bewegt.
Undurchsichtige Mineralien lassen kein Licht (durchfallen, lediglich Dünnschliff, feines Plättchen oder Pulver sind unter dem Mikroskop durchscheinend.
Opake Mineralien lassen überhaupt kein Licht durch, auch nicht als Dünnschliff, feines Plättchen oder Pulver.
Da durchsichtig und halbdurchsichtig nur schwer voneinander abzugrenzen und undurchsichtig und opak mit dem bloßen Auge gar nicht zu unterscheiden ist, verwenden manche Mineralienbücher nur eine Unterscheidung in drei Durchlässigkeitsgrade: durchsichtig, durchscheinend und opak. Zu beachten ist dabei, daß eine rauhe Oberfläche bei einem körnigen Aggregat oder einer verwitterten Probe die Transparenz deutlich vermindern kann. Ein durchsichtiges Mineral kann so durchscheinend wirken. Auch können mitunter verschiedene Varietäten oder verschiedene Qualitäten eines Minerals verschiedene Transparenzstufen aufweisen. Die Transparenz ist daher nur ein zweitrangiges Hilfsmittel bei der Bestimmung von Mineralien.
Glanz
Ähnliches gilt für den Glanz. Der Glanz ist die Fähigkeit
eines Minerals, Licht zu reflektieren. Diese Lichtreflektion geschieht
an der Oberfläche und ist daher von Farbe und Transparenz weitgehend
unabhängig. Jedes Mineral besitzt einen spezifischen Lichtbrechungsindex,
der besagt, wie sehr ein einfallender Lichtstrahl gebrochen wird. Sie kennen
dieses Phänomen sicherlich von Wasser oder beim Diamant. Je größer
die Lichtbrechung eines Minerals ist, d.h. je stärker der einfallende
Lichtstrahl abgelenkt wird, desto mehr Licht wird auch reflektiert. Daher
nimmt der Glanz mit steigendem Lichtbrechungsindex zu, während das
Absorptionsvermögen des Minerals und die Rauheit der Oberfläche
ihn vermindern. Der Glanz eines Minerals wird nach alltäglichen Stoffen
benannt, an die er bildhaft erinnert. Er wird in der Regel in zehn Kategorien
eingeteilt:
Metallglanz ist der Hochglanz polierter Chromleisten oder Metalle und ist typisch für undurchsichtige Mineralien, wie z.B. die bereits erwähnten spanischen Pyritwürfel, oder durchsichtige Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von > 2,6, wie Cuprit oder Zinnober (als Kristall).
Diamantglanz erinnert an geschaffene Brillanten oder Bleikristallglas. Er entsteht durch totale Lichtreflexion bei durchsichtigen oder durchscheinenden Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von > 1,9, wie z.B. beim namengebenden Diamant.
Glasglanz kann man an jedem (geputzten) Fensterglas beobachten. Er ist charakteristisch für durchsichtige und durchscheinende Mineralien mit einem Lichtbrechungsindex von 1,3 bis 1,9, wie z.B. viele Vertreter der Quarz-Gruppe.
Pechglanz erinnert an die frischen Bruchstellen von Teerbrocken. Er ist etwas stumpfer als Glasglanz, was von einer feinkörnigen oder feinporigen Oberfläche herrühren kann. Typische Beispiele sind Kassiterit oder Gagat.
Fettglanz sieht aus wie der schimmernde Glanz fettigen Pergamentpapiers, was oft von einer unebenen Oberfläche des Minerals herrührt. Typische Beispiele sind Borax oder Scheelit.
Wachsglanz erinnert an Kerzenwachs. Der Eindruck ist stark fettig, doch fehlt das pergamentartige Schimmern. Die Oberfläche des Minerals ist hier oft feinporig. Typisches Beispiel ist Türkis.
Harzglanz erinnert an Baumharz. Der Eindruck ist hier noch etwas fettig, doch deutlich trockener. Die Oberfläche ist meist uneben und rauh. Beispiele sind Wulfenit und Titanit.
Perlmuttglanz erinnert an den weiblichen Schimmer mit farbigem Lichtschein, den die Innenseite mancher Muschelschalen besitzt. Denken Sie nur an die bekannten Perlmuttknöpfe. Perlmuttglanz tritt oft bei blättrigen Mineralaggregaten wie z.B. Glimmer auf.
Seidenglanz erinnert an ebensolche Textilien. Er ist typisch für faserige Mineralien, wie z.B. Tiger- oder Falkenauge.
Mattigkeit ist die unterste Glanzstufe. Hier glänzt nichts mehr. "Matt" ist typisch für poröse oder erdige Mineralaggregate, wie z.B. Lapislazuli oder Pyrolusit.
Der Glanz eines Minerals sollte nur an einem unverwitterten und unbearbeiteten
Stück beurteilt werden. Verwitterung oder Beschädigung der Oberfläche
kann den Glanz herabsetzen, während eine gute Politur den Glanz deutlich
erhöhen kann. So sagt z.B. bei Trommelsteinen der Glanz mehr über
die Qualität der Verarbeitung als über die Natur des Minerals
aus.
Farbe
Farben sind Teile des Lichts. Sie zeigen eine charakteristische Eigenschaft
eines Minerals, nämlich seine Fähigkeit, Licht zu absorbieren
oder zu reflektieren. Das weiße Licht, wie wir es z.B. als Sonnenlicht
kennen, enthält alle Farben. Es ist eine Mischung aller Farbstrahlen.
Dies verdeutlicht sehr schön der Regenbogen, der entsteht, wenn Sonnenlicht
an feinen Wassertröpfchen in der Luft gebrochen und in seine sog.
"Spektralfarben" zerlegt wird. Dann wird aus dem neutralen weißen
Licht plötzlich ein wunderschöner Farbverlauf, der bei näherem
Hinsehen von oben nach unten in den Farben Violett, Blau, Grün, Gelb,
Orange und Rot erstrahlt. Diese sechs Farben ergeben den elementaren Farbkreis,
der vielen Mischungen und Nuancen zugrunde liegt. Ergänzt mit Schwarz
(keine Farbe, völlige Absorption von Licht) und Weiß (keine
Farbe, totale Reflektion von Licht) ergeben sich acht Grundqualitäten
zur Beschreibung der Mineralien. Genaueres dazu finden Sie in "Die
Steinheilkunde" (Neue Erde Verlag, Saarbrücken; 1995).
Damit ein Mineral nun farbig erscheinen kann, muß es also in
der Lage sein, Teile des Lichts zu absorbieren und andere Teile zu reflektieren.
Was wir dabei dann als Mineralfarbe sehen, ist der reflektierte Teil. Eigentlich
logisch, denn der absorbierte Teil ist ja "weg". Im Mineral selbst kann
die Fähigkeit, Farben "entstehen" zu lassen, nun drei verschiedene
Ursachen haben, nach welchen die klassische Mineralogie die Mineralien
in vier Gruppen einteilt: In farblose, eigenfarbige, fremdfarbige und scheinbar
gefärbte Mineralien.
Farblose, achromatische Mineralien (griech. a = ohne, chroma = Farbe) verändern durchfallende oder reflektierte Lichtstrahlen nicht, d.h. sie absorbieren kein Licht. Dadurch zeigen sie keinerlei Farben. Beispiele für farblose Mineralien sind Achroit (farbloser Turmalin), Bergkristall, Diamant, Goshenit (farbloser Beryll) und klarer Topas.
Eigenfarbige, idiochromatische Mineralien (griech. idios = eigen, chroma = Farbe) bestehen aus wesentlichen Anteilen bestimmter farbgebender Mineralstoffe, sog. "Farbträger" oder "Chromophore" (griech. chroma = Farbe, phoros = tragend). Dazu zählen Chrom, Eisen, Kupfer, Kobalt, Mangan und Nickel. Da diese Farbstoffe in großen Mengen in eigenfarbigen Mineralien enthalten sind, zeigt selbst das Pulver dieser Mineralien noch seine Farbe. Das wird insbesondere bei der Bestimmung von Mineralien und Heilsteinen als sog. "Strichfarbe" von großer Bedeutung sein. Beispiele für eigenfarbige Mineralien sind Azurit, Hämatit, Malachit und Rhodonit.
Fremdfarbige, allochromatische
Mineralien (griech. allos = anders, fremd, chroma = Farbe) enthalten Einschlüsse
anderer Mineralien oder nur Spuren von farbtragenden Stoffen, die oft in
Millionstel-Verdünnungen noch ausreichen, um farbgebend zu sein. Manchmal
genügen sogar nur wenige freie Elektronen, die sich z.B. durch die
Einwirkung radioaktiver Strahlung an falschen Plätzen im Kristallgitter
befinden, um sog. "Farbzentren" entstehen zu lassen, die das Mineral färben.
Bei diesen Mineralien zeigt feines Pulver keine Farbe mehr, sie haben daher
auch keine Strichfarbe. Durch Mineraleinschlüsse gefärbt sind
z.B. Aventurin (durch Fuchsit), Jaspis (Eisenoxide) oder Prasem (Aktinolith).
Durch färbende Spurenelemente sind z.B. Amethyst (Eisen), Rosenquarz
(Mangan), Rubin und Smaragd (beide Chrom) gefärbt. Freie Elektronen
im Kristallgitter verursachen die Färbung bei Rauchquarz oder Zirkon.
Zwei Besonderheiten fremdfarbiger, allochromatischer Mineralien sind
der Pleochroismus und der Farbwechsel. Durch eine besondere Einlagerung
der färbenden Spurenelemente in das Kristallgitter kann es vorkommen,
daß selbst kleine Körnchen des transparenten Minerals in verschiedene
Raumrichtungen verschiedene Farben zeigen. Treten dabei zwei Farben auf,
wie z.B. beim Cordierit (Blau/Gelb), spricht man vom Dichroismus
(Zweifarbigkeit), bei drei oder mehr Farben vom Pleochroismus
(Mehrfarbigkeit). Dies hat nichts mit Mineralien zu tun, die deutlich voneinander
abgesetzte Farbzonen zeigen, wie z.B. der Ametrin. Beim Pleochroismus wird
von jedem Bereich des Kristallgitters Licht in verschiedener Färbung
in verschiedene Richtungen reflektiert (siehe auch "optische
Untersuchungsmethoden").
Ein sogenannter Farbwechsel liegt
vor, wenn ein Mineral im Sonnenlicht und Kunstlicht deutlich verschiedene
Farben zeigt. Dies hängt mit den verschiedenen Spektren der Lichtquellen
und dem Absorptionsspektrum des färbenden Spurenelements zusammen.
Am häufigsten tritt dieser Effekt im Zusammenhang mit dem Spurenelement
Chrom auf, welches ja - wie der Name sagt (griech. chroma = Farbe) - eine
besondere Beziehung zu Licht und Farbe hat. Bekanntestes Beispiel ist der
Alexandrit, der im Sonnenlicht grün, im Kunstlicht rot bis violett
erscheint.
Scheinbar gefärbte, pseudochromatische Mineralien (griech. pseudein = täuschen, chroma = Farbe) erhalten ihre Farbe durch Brechung, Reflexion, Beugung, Streuung oder Überlagerung (Interferenz) der Lichtstrahlen an strukturellen Eigenheiten des Minerals. Diese Phänomene besitzen natürlich spezielle Bezeichnungen:
Adularisieren
Durch Lichtstreuung und Interferenz an der Schichtstruktur des Minerals
entsteht ein wogender, flächenhaft bläulicher Lichtschimmer,
der beim Bewegen des Steins Tiber die Oberfläche gleitet. Der Name
stammt vom Mondstein, einer Adular-Varietät.
Asterismus
Durch Einschlüsse netzartig geordneter Kristallfasern (meistens
Rutil) im Mineral entsteht beim Cabochon- Schliff eine sternförmige
Lichterscheinung (lat. astrum = Stern). Diese zeigt sich am deutlichsten,
wenn der Cabochon-Schliff auf die Hauptachse des Kristalls orientiert wird.
Asterismus tritt häufig auf bei Diopsid, Rosenquarz, Rubin und Saphir.
Aventurisieren
Durch Lichtreflexion an eingelagerten Mineralblättchen entstehen
glänzende Reflexe im Mineral. Der Name hierfür stammt vom Aventurin,
in welchem diese Reflexe an eingelagerten Glimmer- und Hämatitschüppchen
entstehen.
Chatoyieren (Katzenaugeneffekt)
Durch feine Kristallfasern des Minerals entsteht ein wogender Lichtreflex,
der im Cabochon-Schliff an das Auge einer Katze erinnert (franz. chat =
Katze, (ril = Auge), besonders wenn die Fasern parallel zur Grundfläche
des Cabochon liegen (z.B. Chrysoberyll oder Sillimanit).
Irisieren Hier entstehen Regenbogenfarben an Rissen und Spaltflächen (z.B. im Bergkristall oder Fluorit) oder sog. "Anlauffarben" durch Oxidation an der Oberfläche des Minerals (z.B. Bornit oder Chalkopyrit).
Labradorisieren
Durch Interferenzerscheinungen an einer feinen Lamellen-Struktur entsteht
ein buntes Farbenspiel in metallisch glänzenden Tönen. Namengebend
war hier der Labradorit.
Opalisieren
Da Opale aus winzigen Siliciumdioxid-Kügelchen, Kieselsauregel
und Wasser bestehen, wird einfallendes Licht an dieser sog. "Kugelpackung"
gebrochen. Durch Interferenzerscheinungen entsteht so ein buntes, nach
dem Opal benanntes Farbenspiel.
Tyndall-Effekt
Der Tyndall-Effekt ist nach seinem Entdecker, dem irischen Physiker
John Tyndall benannt. Hier wird Licht an sehr feinen Fasern oder Teilchen
in seine Spektralfarben zerlegt, wobei der langweilige Rotanteil durch
die Fasern absorbiert, der kurzwellige Blauanteil dagegen reflektiert wird.
Durch diesen Effekt erhalten z.B. Blauquarz und Chalcedon ihre bläuliche
Farbe. Auch pseudochromatische Mineralien zeigen natürlich als Pulver
keine Farbe und keinen der o.g. Effekte. Sie besitzen daher auch keine
Strichfarbe.
Augenscheinliche
Qualitäten
Bei der Beschreibung des Erscheinungsbildes der Heilsteine in der Natur
wurden bewußt nur jene Phänomene von Form und Farbe ausführlich
geschildert, die mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden kennen.
Mit dem Mikroskop oder weiteren optischen und elektronischen Hilfsmitteln
lassen sich viele Eigenschaften noch präziser bestimmen...
Doch wer hat schon ein mineralogisch-gemmologisches Labor im Keller?
Eigentlich nur jemand, der dann wahrscheinlich die notwendige Fachkenntnis
und Fachliteratur besitzt. Hier werden also fachmännische Bestimmungsmethoden
nur auf der Seite "mineralogisch-gemmologische
Untersuchungen" kurz erwähnt, um zu zeigen, wie ein Mineral einwandfrei
identifiziert werden kann. Für die Heilkunde sind von den Merkmalen
des Erscheinungsbildes der Heilsteine vor allem die Kristallsysteme und
die Farbe von großem Interesse. Beide Eigenschaften eines Minerals
besitzen, wie man heute weiß, gemeinsam mit der Art und Weise seiner
Entstehung eine direkte Auswirkung auf seine Heilkraft. Zu dieser Trias
(Entstehung, Kristallsystem, Farbe) gesellt sich nun noch ein weiteres,
sehr wichtiges Kapitel: Der Stoff, aus dem die Steine sind, die Mineralstoffe
oder schlicht die chemische Zusammensetzung der Heilsteine.