Achat gehörte
und gehört noch immer zu den beliebtesten edlen Steinen. Die älteste
schriftliche Quelle über ihn stammt von dem griechischen Philosophen,
Arzt und Naturwissenschaftler Theophrast (372-287 v. Chr.) und von Plinius,
obwohl Achat natürlich schon lange vorher bekannt war und verwendet
wurde. Er wurde nach seiner angeblich ersten Fundstätte, dem Fluß
Achates (heute Dirillo, andere meinen, daß es der Carabi oder der
Cannitello sei) im Süden Siziliens, benannt. Daß der Achat eines
der ältesten bekannten Mineralien überhaupt ist, wird verständlich,
wenn man die Buntheit und Auffälligkeit seiner Färbung in Betracht
zieht. Bereits die alten Sumerer und Ägypter bearbeiteten ihn. Fast
alle Kulturvölker der Antike verwendeten ihn zu Schmuckzwecken, zur
Herstellung vielfältiger kleiner Gefäße und zur Anfertigung
der verschiedensten Amulette. Aus Achat wurden berühmte Gemmen geschnitten,
und man fertigte daraus Schmuckgegenstände, die sehr geschätzt
wurden. Achate sind dazu besonders geeignet, weil die bunten Farben und
die sich nicht wiederholenden Zeichnungen die Originalität jedes Achats
bei seiner Verwendung als Schmuckstein garantiert. Die ältesten Gemmen
aus Achat stellten verschiedene religiöse Symbole dar. Dazu trug sicher
auch die damalige Seltenheit der schönen Steine in der Natur bei,
so daß deren Entdeckung den Findern außergewöhnlich erscheinen
mußte. Den Achaten wurden häufig übernatürliche Kräfte
zugesprochen. Der hohe Grad der Vollkommenheit der Achatbearbeitung im
antiken Griechenland führte jedoch allmählich dazu, daß
daraus immer mehr Gegenstände für weltliche Gelegenheiten hergestellt
wurden. Aus dem Achatmaterial entstanden Werke, die durch größte
Vollkommenheit und Genauigkeit in künstlerischer Hinsicht von sich
reden machten. Die Namen der griechischen Künstler (z.B. Diodoras
aus Samos, Semon, Daidolas u. a.) sind weltberühmt, vor allem der
des Steinschneiders Alexander des Großen, Pyrgoteles, dessen Monogramm
sowohl die antiken als auch die neuzeitlichen Fälscher nachahmten.
Außer diesen Spitzenkunstwerken wurden auch Siegel und weniger anspruchsvolle
Schmuckgegenstände angefertigt.
Die Römer, Erben der griechischen Kultur, übernahmen bald auch die Kunst der Achatbearbeitung, vor allem auch die Tradition des Schneidens von Siegelringen. Von den Kulturvölkern Asiens und Afrikas, mit denen die Römer regelmäßig in Berührung kamen, lernten sie viel hinzu. Die ältesten römischen Achatgemmen in Form von Skarabäen, die z. B. auf dem früher von den Etruskern bewohnten Gebieten gefunden wurden, legen davon Zeugnis ab. Achatringe trug man in Rom bereits seit ältester Zeit. Aus der Geschichte wissen wir, daß diese Ringe ursprünglich nur die römischen Patrizier tragen durften. So stellte noch Hannibal nach der siegreichen Schlacht bei Cannae (216 v. Chr.), in der er die römischen Legionen besiegte, anhand der Ständezeichen auf den Ringen die Zahl der erschlagenen Befehlshaber und deren Rang fest. Die Achatringe sandte er als Kriegstrophäe nach Karthago. Etwa im Jahre 85 v. Chr. wurde in Rom die erste Sammlung von Achatgemmen gegründet, die sog. Daktyliothek. Eine noch viel reichhaltigere und schönere Sammlung entstand aus der Kriegsbeute des Pompeius im Krieg gegen Mithridates. Sie wurde im Jahre 61 v. Chr. auf dem Kapitol den Göttern zum Dank für den Sieg ausgestellt.
Nach dem Verfall des Römischen Reiches übernahm der Osten,
Byzanz, die Tradition der Achatbearbeitung. Prachtvolle Werke dieser Zeit,
in Achate geschnitten, sind vor allem griechischen Künstlern zuzusprechen.
In Konstantinopel erreichte das Färben der Achate durch Erhitzung
in Schwarz und Rot besondere Beliebtheit. Diese Kunst hielt sich in den
Kreisen der Steinbearbeiter als Geheimnis und wurde durch die Jahrhunderte
von Generation zu Generation übertragen. Bis heute kennen wir noch
nicht alle technologischen Verfahren, die die damaligen Künstler anwendeten.
Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken verfiel die
Glyptik, und auch die Beliebtheit der Achate nahm ab.